Persönlichkeitskompetenz

Wenn die Lust am Helfen zum Helfersyndrom wird

Veröffentlicht unter Persönlichkeitskompetenz - 30. Mai 2018
CONVINTO Management Coaching Helfersyndrom Coaching Hamburg Sabine Henjes Moderation Teamcoaching1463427_640

Nicht nur Menschen in sozialen Berufen kennen das Helfersyndrom. Denn Kollegen oder die Vorgesetzten rufen häufig über den Flur: „Kannst Du das bitte mal schnell übernehmen?“ Dazu kommen unvorgesehene Ereignisse und plötzlich auftretende Konflikte. Patienten benötigen akute Hilfe. Kinder und Schüler sind häufig schwer zu bändigen. Interne und externe Kunden haben spezielle Wünsche. Häufig fühlen die Mitarbeiter sich verpflichtet, diesen Bitten und Wünschen nachzukommen. Sie möchten gute Leistungen zeigen und Anerkennung ernten. Doch häufig verlieren sie damit den Blick für Ihre eigenen Bedürfnisse. Dadurch gerät die mentale und physische Balance ins Wanken. Über einen längeren Zeitraum hinweg drohen eine totale Erschöpfung, Depression und Burnout.

Wann wird die Lust am Helfen zum sogenannten Helfersyndrom?

Im CONVINTO Coaching zeigte sich dies bei einer Frau, die sich seit Jahren im sozialen Bereich als Lehrerin tätig war. Sie arbeitete aufopfernd, war immer hilfsbereit und außerordentlich offen für die Bedürfnisse und Belange Anderer. Dabei rückte sie Ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle immer mehr in den Hintergrund. Am Ende führte es dazu, dass sie Ihre Gefühle überhaupt nicht mehr wahrnahm und dem natürlichen Bedürfnis nach Entspannung und Pausen nicht mehr nachkam. Denn in jedem Notfall, in jeder Konfliktsituation nahm sie einen Appell wahr, eine Aufforderung selber in Aktion zu treten. Dazu kam, dass die Problem sich bei den jeweiligen Schuljahrgängen sich wiederholten und sie nie das Gefühl hatte, mit Ihrer Arbeit wirksam zu sein und den problematischen Schülern wirklich langfristig einen sinnvollen Weg zu bereiten.

Die ausgeprägte Empathie, die grundsätzlich eine wertvolle Basis für Hilfeleistungen ist, wurde hier zum Fallbeil für die eigene Gesundheit. Das Ergebnis: Über ein Jahr berufliche Auszeit durch Erschöpfung und Depression.

Welche Motive treiben das Helfersyndrom?

Der Begriff Helfersyndrom wurde erstmals 1977 von dem Psychiater Wolfgang Schmidbauer eingeführt. Er bezeichnet in zwischenmenschlichen Beziehungen den Hang einer Person, sich immer als Helfer anzubieten. Auch wenn der Wunsch anderen zu helfen per se nichts Schlechtes ist, entwickelt sich dieser Wunsch bei Menschen mit Helfersyndrom zu einer Sucht, die Person ist auf das Helfen fixiert. Diese Art von Hilfsbereitschaft übertritt die körperlichen und geistigen Grenzen der Betroffenen und schädigt damit die seelische Gesundheit. Je nach dem, wie stark das Helfersyndrom schon ausgeprägt ist, kann hier eine Therapie sinnvoll sein. Denn die Ursache können problematische Beziehungen im Elternhaus oder andere Erfahrungen sein, die die Betroffenen im Laufe Ihrer Erziehung machen.

Doch es hilft auch ein Blick auf die eigene, individuelle Motivstruktur. Denn damit kommen Menschen wieder in Kontakt mit Ihren Emotionen. Sie können sie besser wahrnehmen und verbalisieren. Damit entsteht Handlungsenergie, die für das Erreichen eines attraktiven Ziels durch das Coaching notwendig ist. Hier liegt schnell der Schluss nahe, die hätte mit einem starken Streben nach Anerkennung von anderen zu tun (Motiv Fremdanerkennung in der MotivationsPotenzialAnalyse.). Dies ist aber nicht zwangsläufig der Fall. Es kann auch sein, dass der innere Antreiber „Sei gefällig“ stark ausgeprägt ist. Hier handelt es sich um einen internalisierten Wert, der eben durch die Beziehung zu den Eltern geprägt ist. Oder das Streben nach Gestaltung und Verantwortung (Motiv Einfluss), der Wunsch nach Kontakt oder das Arbeiten in der Abstimmung mit anderen (Motiv Mitentscheidung) sind stark ausgeprägt. Wichtig ist es, dies zu erkennen und daraus dann die entsprechenden neuen Schritte abzuleiten. Im Falle des CONVINTO Coachees half es der Lehrerin, sich klarer für neue beruflichen Positionen zu entscheiden und Ihre aufopfernden Stolperfallen zu überwinden.

Lesen Sie hier weiter:

Berufliche Orientierung – Die eigenen Stärken kennen