Neurowissenschaft

Entscheidungen – nur mit emotionalem Okay!

Veröffentlicht unter Neurowissenschaft - 26. April 2018
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Wir alle treffen tagtäglich Entscheidungen in verschiedensten Bereichen. Wie viele Entscheidungen sind dies? Sind es 100, 1000 oder 5000? Gehirnforscher gehen davon aus, dass wir bis zu 20.000 Mal pro Tag Entscheidungen fällen. Diese sind uns nur teilweise bewusst und meistens vollständig unbewusst.

Es geht morgens los, wenn der Wecker klingelt. Zunächst entscheiden Sie, ob Sie sofort aufstehen oder sich noch mal umdrehen. Gehen Sie dann gleich ins Bad oder erst frühstücken? Danach entscheiden Sie, was Sie anziehen. Im Folgenden fällen Sie die Entscheidung, ob Sie mit der Bahn oder mit dem Auto zur Arbeit fahren u. s. w.

Entscheidungen sind häufig unbewußt und emotional

Natürlich sind Entscheidungen unterschiedlich komplex. Gerade bei Entscheidungen für grundlegende Weichen in Ihrem Leben werden Sie versuchen, möglichst viele Kriterien zu definieren und in Ruhe zu betrachten. Für die Entwicklung Ihrer Karriere überlegen Sie, ob Sie ein Jobangebot annehmen. Aber vielleicht möchten Sie die eingeschlagene berufliche Richtung auch ganz wechseln. Sie wägen alles gegeneinander ab und durchdenken die Folgen bis zur letzten Konsequenz. Aber egal, wofür sich sich entscheiden, zwei Dinge haben alle Entscheidungen gemeinsam:

  1. Sie sind größtenteils unbewusst
  2. Sie werden nur mit einer positiven emotionalen Bewertung zu einer Handlung

Die Annahme, dass wir alle rational entscheiden, gilt schon seit einigen Jahren als widerlegt. Lassen Sie uns zum Verständnis zunächst einen Blick in unser Gehirn werfen. Neurowissenschaftler haben in den letzten Jahren untersucht, wie neuronale Mechanismen im Gehirn die Art und Weise unserer Entscheidungsfindung beeinflussen. Mit Hilfe von modernen Verfahren wie z. B. der funktionellen Kernspintomographie (fMRT) werden Gehirnaktivitäten visualisiert und lokalisiert.

So wissen wir heute, dass unser Gehirn das Zentrum unserer Persönlichkeit ist. Diese einzigartige Persönlichkeit trifft jede einzelne Entscheidung mit Hilfe gespeicherter Erfahrungen und Wissen – und der EMOTION! Keine Handlung wird durchgeführt, ohne dass die Emotion Ihr Okay gibt.

Von der Entscheidungsanalyse zur Bewertung

Schritt 1 – die sinnliche Analyse

Wir nehmen durch unsere 5 Sinne Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen ständig Informationen auf. Durch das Auge sind das z. B. 30 Mal pro Sekunde 1 Million Pixel. Anschließend durchlaufen diese Informationen die ganz individuellen Filter unseres Gehirns. Das ist der Grund, warum wir alle die Welt unterschiedlich sehen!

Schritt 2 – die Speicherung im Gedächtnis

Neue Inhalte werden vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis transferiert. Dies passiert im Hippocampus, der ein Teil unseres Limbischen Systems ist (funktionale Einheit basierend auf den Funktionen von Emotion, Antrieb und Lernen).

Schritt 3 – die Bewertung auf 3 Arten 

Rational: Hier bewerten wir bewusst und vergleichen verschiedene Fakten. Das passiert im Arbeitsgedächtnis im vorderen Teil der Hirnrinde. Das Arbeitsgedächtnis kann allerdings nur 3–5 Fakten auf einmal vergleichen. D. h. rationale Entscheidungen funktionieren nur für einfache Probleme und kommen äußerst selten vor.

Intuitiv: Für intuitive Bewertungen nutzen wir das Langzeitgedächtnis mit einer großen Kapazität. Das Langzeitgedächtnis speichert Fakten, inhaltliche Konzepte, Kategorie- und Wertesysteme. Es bettet neue Fakten  ein. Diese Fakten bewertet es im Kontext der Erfahrung mit früheren Entscheidungen. Auf dieser Basis entscheiden wir intuitiv. Damit sind wir nah an optimalen Entscheidungen!

Emotional: Das Limbische System übernimmt die emotionale Bewertung. Die ist größtenteils unbewusst. Negative Emotionen wie z. B. Angst werden in der „Amygdala“ lokalisiert. Der „Nucleus accumbens“ bildet das sogenannte Belohnungssystem, in dem positive Emotionen erzeugt werden. Dabei ist es seine Aufgabe, motivationales Verhalten in Handlung umzusetzen. Darüber hinaus ist er an emotionalen Lernprozessen, Empathie und Freundschaft, Sympathie und Präferenz beteiligt. Der „Hippocampus“, der Detektor für Neuigkeiten, bildet unser emotionales Gedächtnis.

Am Ende wollen Sie sich mit Ihrer Entscheidung im Reinen fühlen!

Was bedeutet dies? Gefühle spielen also eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Deswegen haben positive Emotionen eine so hohe Bedeutung. Denn nur wenn Sie in der Lage sind, positive Emotionen zu erzeugen, werden Sie Entscheidungen treffen, mit denen Sie sich im Reinen fühlen. Und nur wenn Sie positive Emotionen bei Anderen hervorrufen, werden Sie a.) starke Beziehungen zu Ihren Kunden, Kollegen und Freunden führen und b.) Entscheidungen zu Ihren Gunsten beeinflussen.  Viel Erfolg!